»Afrika Film Festival«, Fokus: Landgrabbing und Migration (6): Landless Moroccans

CInema & Kurbelkiste
27.09.2017 - 19:00

2014 begannen Polizeitrupps Häuser am Rande von Rabat, weil dort eine Neubausiedlung entstehen soll. Ein Lehrstück über staatliche Gewalt und Widerstand

Mit Regisseurin Soraya El Kahlaoui

Im Februar 2014 begannen Polizeitrupps der marokkanischen Regierung damit, die Häuser der Einwohner von Douar Ouled Dlim am Rande von Rabat mit Bulldozern niederzureißen, weil dort eine Neubausiedlung entstehen soll. Die Bewohnenden hatten sich geweigert, das Land zu verlassen, denn es war ihnen nachweislich schon 1838 vom Sultan für loyale Dienstleistungen übergeben worden und ihre Vorfahren hatten über Generationen hinweg dort Felder und Gärten angelegt. Auch nach dem Polizeieinsatz verharrten viele deshalb in provisorischen Verschlägen aus Holz und Plastikplanen auf der kahlgeschlagenen Brache. Die Besetzer und Besetzerinnen organisierten Demonstrationen, Versammlungen und Konfrontationen mit Bürokraten und die Soziologin Soraya El Kahlaoui war mit ihrer Kamera stets dabei.

So entstand ein Lehrstück über staatliche Gewalt in neoliberalen Zeiten und über die Möglichkeiten und Grenzen des Widerstands dagegen. Das Filmdebüt von Soraya El Kahlaoui LANDLESS MOROCCANS verdeutlicht zudem, dass nicht nur ausländische Geschäftemacher für das aktuelle Landgrabbing in afrikanischen Ländern verantwortlich sind, sondern sich auch einheimische Investoren über traditionelle Landrechte hinwegsetzen.

 

Zu Gast im Cinema: Soraya El Kahlaoui arbeitet derzeit an ihrer Doktorarbeit in Soziologie an der Hochschule für Sozialwissenschaften in Paris. Darin untersucht sie die Rückeroberung von öffentlichem Raum im Rahmen der Auseinandersetzungen um Demokratie in Marokko seit 2011. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit engagiert sich Soraya El Kahlaoui in Basis-Initiativen, die mit auch hier bekannten Forderungen nach einem „Recht auf Stadt“ vergleichbar sind. In Marokko kämpfen diese Basis-Initiativen jedoch für das „Recht auf Land“, „Recht auf Häuser“ und „Recht auf Ressourcen“.