Stummfilm-Screening mit Live-Musik und Lyrik
mit Abdalrahman Alqalaq, Asmaa Azaizeh, Bakr Khleifi
Vor hundert Jahren schnitt Lotte Reiniger Silhouetten aus schwarzem Karton, Bild für Bild, für Die Abenteuer des Prinzen Achmed. In drei Jahren Arbeit entstand daraus der erste abendfüllende Animationsfilm der Geschichte, ein Scherenschnittfilm nach Motiven aus Tausendundeiner Nacht: ein Zauberpferd, ein Kalif, ein Prinz, der durch die Lüfte fliegt. 1926 uraufgeführt, gilt der Film bis heute als Meisterwerk des Weimarer Kinos. Seine Bilder stammen aus dem, was Edward Said später als Orientalismus beschrieb: der Blick einer imperialen Kultur auf ein Morgenland, das sie sich selbst erfand, ohne die Stimmen zu fragen, aus deren Erzähltradition dieser Stoff eigentlich kam.
Im Rüschhaus legen sich über die Stummfilmbilder live gesprochene Texte zweier palästinensischer Dichter*innen, begleitet an der Oud. Abdalrahman Alqalaq, in Damaskus geboren, ist Schriftsteller, Lyriker und Performancekünstler und veröffentlichte 2024 bei Wallstein sein Debüt Übergangsritus, das 2025 auf der Lyrikempfehlungsliste der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung stand. Asmaa Azaizeh, geboren 1985 in Daburieh in Galiläa, lebt heute in London, war die erste Direktorin des Mahmoud-Darwish-Museums in Ramallah und gehört zu den bekanntesten Stimmen der zeitgenössischen arabischen Lyrik. Bakr Khleifi, in Jerusalem geboren, lernte die Oud mit sechs Jahren und spielte später im West-Eastern Divan Orchestra.
An diesem Abend gehört die Bühne drei palästinensischen Künstler*innen, die sich das Bildmaterial zurückholen, das jahrzehntelang ohne sie über sie sprach.
Regie: Lotte Reiniger, Deutschland 1926, 65 Minuten, Deutsche Originalfassung
Die Veranstaltung findet in Arabischer, Deutscher und Englischer Lautsprache statt.
Tickets hier
Abbildung: © DFF.FILM