Müssen wir wirklich der AFD zuhören? - Nein!

Erklärung des Instituts für Theologie und Politik

Der Katholikentag 2018 in Münster hat den religionspolitischen Sprecher der AFD, Volker Münz, zu einer Veranstaltung eingeladen: Am 21.02.18 sagte Münz dazu in einem Interview: „Ein positives Signal – wir müssen einander zuhören!“ Müssen wir wirklich der AFD zuhören? Für viele Menschen ist das tatsächlich selbstverständlich. Es ist ja immerhin eine gewählte Partei.

Münz gehört zu den politischen Freunden von Poggenburg und Höcke. Auch er hat die Erfurter Resolution unterschrieben, hält Höcke, der unter Pseudonym für neokonservative und Neonazizeitschriften geschrieben hat, nicht für einen Rassisten und Gideon nicht für einen Antisemiten. Sie hetzen gegen den Islam, reden vom „Entsiffen des Kulturbetriebes“. Sie sind diejenigen, die das Klima hegen und pflegen, in dem es 2016 über 3700 Übergriffe auf Flüchtlinge gegeben hat. Sie wollen uns erklären, dass die „christliche Kultur des Abendlandes“ in Gefahr sei und suchen die Kooperation mit PEGIDA.

Hetzen und jammern
Ab und an hört man auch das Argument, man dürfe sie nicht zu Märtyrern und Opfern machen, indem man nicht mit ihnen diskutiert. Welche schreckliche Verkehrung der Verhältnisse! Opfer sind Geflüchtete, Muslime, Schwule und Lesben, die Angst vor Über-griffen haben oder wirklich Opfer geworden sind. Übrigens gehört genau das zu ihrer Strategie: „Hetzen und Jammern“ wird es in einer Sonderausgabe der Zeitschrift Analyse & Kritik genannt. Der Versuch von Dialogforen mit der PEGIDA in Sachsen z.B. war im wesentlichen daran gescheitert, dass es den Akteuren um Erweiterung ihres Resonanzraumes und Zustimmung zu ihren Inhalten, nicht aber um den Austausch von Argumenten ging. Warum also sollte ich einem AFD-Abgeordneten zuhören?

AFD - total normal?
Von anderen wieder wird einem die Normalisierung der AFD anempfohlen: es wird schon vorbeigehen, nicht so schlimm werden … Es ist jetzt schon schlimm, unerträglich! Und es war schon ein-mal ein großer Fehler, sich gesprächsbereit oder schweigend und abwartend verhalten zu haben. Wie schrieb Göbbels 1928 im Völkischen Beobachter: „Wenn es uns gelingt, bei diesen Wahlen 60 oder 70 Agitatoren und Organisatoren unserer Partei in die verschiedenen Parlamente hineinzustecken, so wird der Staat selbst in Zukunft unseren Kampfapparat ausstatten und besolden. Eine Angelegenheit, die reizvoll und neckisch genug ist, sie einmal auszuprobieren...“

Kein Podium für Gewaltphantasien
Gerade als ChristInnen sollten wir aus der Geschichte gelernt haben. Es ist Feigheit, sich der AFD nicht entgegenzustellen. Denn als ChristInnen sollten wir für Buntheit, Verschiedenheit, Menschenrechte und Toleranz stehen. Und unsere Toleranz hört dort auf, wo andere aus Hass, Ressentiment, Rassismus ihr vermeintliches Wohl meinen verteidigen zu müssen. Als ChristInnen dürfen wir der AFD kein Podium für ihre wie auch immer bemäntelten Gewaltphantasien geben.

Die AFD muss vom Katholikentag ausgeladen werden!

Autor*in
itp

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