Seit mehr als einem Jahrhundert rufen Feminist*innen am 8. März, dem internationalen feministischen Kampftag, zum Protest gegen patriarchale Unterdrückung auf. Viele Freiheiten und Rechte wurden durch unsere Vorgänger*innen, auf deren Schultern wir stehen, erkämpft.
Und doch ist unser Kampf nicht vorbei. Noch immer sehen wir die Notwendigkeit, unseren Protest am 8. März auf die Straße zu tragen.
Wir sind erschöpft, denn der Großteil der Haus- und Reproduktionsarbeit lastet auf unseren Schultern. Die Sorge um unsere Kinder und Angehörigen, Freund*innen, Nachbar*innen und Arbeitskolleg*innen übernehmen überwiegend wir. Wir arbeiten in prekären und schlecht bezahlten Jobs, viele von uns im Care-Sektor.
Wir sind wütend, denn nach wie vor haben wir kein umfassendes Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung, Schwangerschaftsabbrüche werden auch in Deutschland weiterhin kriminalisiert. Wir werden nicht ernst genommen, belächelt, sexualisiert, beschimpft oder bedroht. Jede dritte von uns erlebt in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt.
Wir trauern, denn zu viele wurden uns genommen: 89 Frauen wurden allein in Deutschland 2025 Opfer eines Femizids. Wir haben nicht die Freiheit, ein Leben ohne Angst führen zu können.
Und damit nicht genug. In Zeiten des autoritären Rechtsrucks und der Herrschaft von rechten und religiös-fundamentalistischen Autokraten müssen wir erleben, wie bereits errungen geglaubte Rechte und Freiheiten wieder eingeschränkt werden.
Am eigenen Leib erfahren wir, wie das Erstarken rechter Kräfte unter Trump, AfD & Co. mit steigendem Antifeminismus, Queer- und Transfeindlichkeit einhergeht. Reproduktive Rechte werden angegriffen,Frauenhäuser und Beratungsstellen sind chronisch unterfinanziert, Incels und rechte Männer propagieren offen Frauenhass, queere Menschen erfahren allein aufgrund ihrer Existenz massive Gewalt. Sie werden wahrgenommen als Bedrohung für eine vermeintlich "natürliche" binäre, heteronormative und patriarchale Ordnung - ebenso wie Frauen, die sich ihrer zugeteilten Rolle als aufopferungsvolle Mutter & Ehefrau, gebunden an Heim & Herd, widersetzen.
Aber die Angriffe auf uns und unser Leben bleiben nicht unbeantwortet. An vielen Orten der Welt setzen sich FLINTA* gegen patriarchale Herrschaft zur Wehr. Wut, Trauer und Hoffnung liegen in diesen Tagen unvorstellbar nah beieinander.
Voller Sorge und zugleich in tiefer Hoffnung blicken wir zu den mutigen Menschen in Iran, die in diesen Wochen noch brutaler als zuvor der mörderischen Gewalt des islamistischen Terrorregimes ausgesetzt sind. Und die dennoch nicht aufgeben und Tag für Tag ihr Leben aufs Spiel setzen für ein Leben in Freiheit und Würde. Ihnen gilt unsere uneingeschränkte Solidarität.
Wir sind solidarisch mit den Menschen in Rojava. Die gegenwärtigen Angriffe durch die syrische Armee und islamistische Gruppen sind ein Angriff auf die Wirklichkeit einer demokratischen, selbstverwalteten und feministischen Gesellschaft. Die kurdische Parole "Jin, Jiyan, Azadî"(Frauen, Leben, Freiheit) erinnert daran, dass unser (Über-)Leben an das Ende patriarchaler Herrschaft gebunden ist. Keine von uns ist frei, solange wir nicht alle frei sind.
Wir sehen uns als Teil einer globalen feministischen Bewegung und stehen an der Seite all derer, die in diesen gewaltvollen Zeiten die Freiheit und Selbstbestimmung aller Frauen, Lesben, inter, nicht-binären und trans Personen verteidigen.
Wir stehen für einen universellen Feminismus, der die Befreiung ALLER fordert. Der solidarisch ist mit allen Opfern patriarchaler Gewalt, repressiver Strukturen und religiös-fundamentalistischer Herrschaft. Der für eine Gesellschaft kämpft, in der wir alle ohne Angst leben und lieben können.
Wir rufen euch deshalb dazu auf, am 8. März mit uns auf die Straße zu gehen - für uns alle und ganz besonders auch für die Vielen, deren Stimmen zum Schweigen gebracht worden sind.
Ob Münster, Iran oder Rojava - wir kämpfen solidarisch, laut und gemeinsam. Für die Freiheit. Für das Leben.
Wir rufen euch dazu auf, ein lila Tuch, Schal oder anderes Kleidungsstück bei der Demo zu tragen. Bringt Trommeln, Schüsseln und alles was euch einfällt zum Krachmachen mit!
Die Route ist barrierearm. Es wird einen Block für Familien, Kinder und neurodivergente Menschen geben.
Im Anschluss findet ein gemeinsamer Ausklang in der B-Side statt.