Profite pflegen keine Menschen! - Demo zum Tag der Pflege

Bild
Datum
-

mit Abstand und Masken

Warum ruft MünsterCares zu einer Demonstration auf?

Seit Jahrzehnten steuert das deutsche Gesundheitssystem auf einen Zusammenbruch der Versorgungsstrukturen zu. Die Politik sieht wissentlich zu, statt zu handeln. Seit Jahren müssen wir mit ansehen, wie immer mehr unserer Kollegen aus dem Beruf gedrängt werden, weil die Arbeitsbedingungen es nicht ermöglichen, länger als wenige Jahre im Beruf zu bleiben. In 10 Jahren werden 500.000 Pflegende fehlen. Ein Drittel der Pflegekräfte überlegt, in den nächsten 12 Monaten auszusteigen.
Durch die Pandemie ist nun einmal mehr klar geworden, dass die Politik weiterhin nicht gedenkt, aktiv gegen den Pflegenotstand vorzugehen. Pflegende in ganz Deutschland berichten von den gleichen Problemen. Zahlen und Fakten bestätigen, wie sehr die Pflegekräfte und auch die Versorgungsqualität der Patienten, der Bürger dieses Landes, darunter leidet. Im direkten Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn versorgen Pflegekräfte in unserem Land 2-3 mal so viele Patienten pro Dienst. Pflegende weisen weit mehr Krankheitstage auf als der Bundesdurchschnitt. Auch für Patienten sind die Folgen dramatisch: Das Risiko für Infektionen steigt, die Mortalität erhöht sich. Der Grund dafür ist, dass die Personalbemessung sich nicht am Patientenwohl, sondern am Gewinn orientiert. Trotzdem scheinen Entscheidungsträger weiterhin zu erwarten, dass Pflegende niedrige Gehälter und schlechte Arbeitsbedingungen hinnehmen.

Es reicht!

Wir fordern eine Reform des Gesundheitssystem durch Abkehr vom derzeitigen profitorientierten System! Dieses System (u.a. durch DRG) hat über Jahrzehnte finanzielle Fehlanreize bei Arbeitgebern gesetzt, wodurch es u.a. zu einem Anstieg von Patientenfallzahlen sowie zu Reduzierung von Patientenliegezeiten und somit einer massiven Arbeitsverdichtung kam, während im Bereich der Pflegepersonalbemessung abgebaut wurde.

Wir fordern von der Politik ein sofort greifendes Pflegepersonalbemessungsinstrument in Kombination mit Pflegepersonaluntergrenzen! Das Personalbemessungsinstrument muss am tatsächlichen Pflegebedarf der Patienten und nicht weiter am Umsatz der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser, den Pflegepersonalbedarf messen. Die derzeit geltenden, beinahe willkürlich beschlossenen Pflegepersonaluntergrenzen (PpUGV) müssen anhand wissenschaftlich bekannter Fakten hochgesetzt, und für alle Bereiche wirksam gemacht werden. Eine Nichteinhaltung geltender Personaluntergrenzen/ kommender Verordnungen muss zwingend durch Anpassungen von Elektiv- sowie Bettenplanung sanktioniert werden, statt durch finanzielle Sanktionen. Nur so kann die Last von den übrigen Pflegenden genommen werden.

Wir fordern verbindliche und reduzierte Arbeitszeiten! Die Einführung einer 35h Woche würde eine Reallohnerhöhung darstellen. Eine Dienstplansicherheit ist bereits gesetzlich verpflichtend, wird jedoch selten gewährleistet. Auch diese muss umgesetzt werden, denn die Aufrechterhaltung dieses fragilen Systems ist nicht Aufgabe der einzelnen Pflegekraft.

Wir fordern eine Professionalisierung des Berufes durch eine Berufsordnung sowie ein Register beruflich Pflegender! Um die Qualität der Versorgung sicherzustellen muss, bspw. von einer Bundespflegekammer, eine Weiterbildungsordnung erstellt werden. Auszubildende dürfen nicht weiter für die Verwaltung des Pflegenotstandes ausgenutzt werden, sondern müssen einen besonderen Stellenwert genießen. Die gesetzlich vorgeschriebene Praxisanleitungszeit muss von den Arbeitgebern gewährleistet werden, und muss bei Nichteinhaltung ebenso durch Reduktion der Bettenbelegung sanktioniert werden.

Wir fordern eine angemessene Entlohnung für alle hochqualifizierten Pflegekräfte! Schichtdienst ist unattraktiv und macht nachweislich krank. Daher brauchen wir für den Nacht- und Sonntagsdienst eine Zusatzvergütung von 100% wie es bspw. in der Wirtschaft üblich ist. Das Einstiegsgehalt muss angepasst an die hohe Verantwortung des Berufes und den – Belastungen – bei 4000€/brutto liegen. Zusatzqualifikationen müssen monetär belohnt werden, um Anreize zu schaffen, sich in diesem Beruf fortzubilden und dauerhaft dabei zu bleiben.
Diese Veränderungen können dem Beruf zu der Attraktivität verhelfen, die er so zwingend benötigt. Jeder Bürger Deutschlands ist auf ein stabiles Gesundheitssystem angewiesen und verdient eine gute, menschenwürdige Pflege!

Infos und Hygienekonzept auf www.muenster-cares.de

Kategorie