Am 27.01.1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von den alliierten Soldaten der roten Armee befreit. Die Bilder, die sie dort sahen und teilweise fotografisch festhielten, haben sich in viele Gedächtnisse eingebrannt. Doch unbeschreiblich bleibt die Erfahrung der dort Verfolgten und ihrer Nachfahren. Wir möchten der Opfer dieses Grauens gedenken, das aus Deutschland und den Deutschen hervorging.
Für uns steht fest, dass Erinnern immer auch Handeln bedeuten muss und nicht zur Reinwaschung der „wieder gut gewordenen Deutschen“ verkommen darf, zu einem „Gedächtnistheater“, in dem die Verfolgten des Holocaust nur Statist*innen sind. Das bedeutet, den spezifischen Charakter des deutschen Vernichtungsantisemitismus zu benennen, seine andauernden Kontinuitäten zu erkennen, und „Nie wieder ist jetzt“ keine hohle Phrase bleiben zu lassen. Es bedeutet auch, allen Verfolgten des nationalsozialistischen Terrors zu gedenken und ihre bis heute andauernden Forderungen politisch ernst zu nehmen: Viele dieser Menschen und ihre Angehörigen mussten noch weit nach 1945 darum kämpfen, vom deutschen Staat und der deutschen Dominanzgesellschaft als Opfer anerkannt zu werden: Sinti* und Roma*, behinderte Menschen, psychisch erkrankte und queere Personen erhalten erst langsam die Anerkennung, die ihnen zusteht.
Am 27. Januar rufen wir daher zu einer Gedenkdemo auf. Wir starten mit einer Kundgebung um 18 Uhr vor dem Hauptbahnhof und gehen dann in einem stillen, aber mahnenden Gedenkzug über die Warendorfer Straße zum ehemaligen „Gertrudenhof“. In dem nicht mehr erhaltenen Gasthof wurden im Dezember 1944 knapp 400 als Juden verfolgte Menschen aus dem Münsterland festgehalten, bevor sie ins Ghetto Riga verschleppt wurden. Heute befindet sich dort eine Gedenkstele, an der wir innehalten und das Gedenken beenden werden.