- Sondertermin zum Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust -
Ab dem 30. Januar wird in der a.cat an jedem Freitag bis zum 6. März Claude Lanzmanns Film Shoah gezeigt.
Lanzmanns grundlegende Einsicht lautet, dass sich die Vernichtung der europäischen Juden der bildlichen Darstellung entzieht. Was nicht gezeigt werden kann, muss erzählt, verkörpert und gegenwärtig gesprochen werden. Shoah versucht dies mit den Mitteln des Films. Im Zentrum stehen daher nicht Ereignisse im Sinne historischer Rekonstruktion, sondern Zeugenschaft.
Als Form der Auseinandersetzung mit der Shoah anlässlich des Internationalen Gedenktages am 27. Januar und zugleich als mögliche Begleitung zur Sichtung des Films möchten wir am Montag, den 26. Januar, ausgewählte Textausschnitte lesen, die sich mit Lanzmanns Shoah auseinandersetzen. Auch unabhängig von der späteren Filmsichtung lohnt die gemeinsame Lektüre. Kommt!
____
“SHOAH wurde nicht gedreht, um die Gelegenheit zu bieten, „sich geläutert zu fühlen durch die Tränen, die sie im Gedanken an ihre ewigen Opfer vergießen.“ Niemand kann hier mit-leiden. Dieser Illusion gibt sich v.a. gerne hin, wer unbedingt Deutscher sein und die Probleme, die er sich und anderen damit aufbürdet, dadurch verschwinden machen will, indem er - in dem Glauben, hinter dem Vorhang der Tränen würden alle gleich - sich imaginär zu den Opfern stiehlt, die sich unter ihren Erinnerungen winden. Lanzmann inszenierte nicht, um solche nolens volens ergreifenden Effekte zu erzielen. Es geht auch nicht darum zu dokumentieren, wie sehr Juden leiden mussten…Lanzmann verwendete in SHOAH keinerlei historisches Filmmaterial. Bilder der Tat gibt es ohnehin fast keine. Aber weder originale noch nachgestellte Bilder sind für Lanzmann akzeptabel. Sie sind „Bilder ohne Imagination. Das sind einfach Bilder, das hat keine Kraft.“ Jede literarische wie bildliche Darstellung einzelner Begebenheiten der Shoah ist zu schwach, zu harmlos. Die Grausamkeiten sind so schlimm, dass jede bekannte Sprache nicht mehr angemessen scheint, sie wiederzugeben".
(Fabian Kettner)