Diskussionsreihe "Umkämpfte Räume" - geographische und aktivistische Perspektiven auf soziale Bewegungen

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Der vierte Termin der geographischen Diskussionsreihe „Umkämpfte Räume“ der AG Kritische Stadtgeographie gemeinsam mit dem studentischen AK Kritische Geographie setzt sich zusammen aus einem Vortrag durch Sybille Bauriedl (Europa-Universität Flensburg) zum Thema "Europäische Städte und ihre postkoloniale Gegenwart" und einer anschließend Diskussion mit der Initiative zur Straßenumbenennung des Lüderitzwegs und des Woermannwegs.

Europäische Städte sind geprägt von kolonialen Infrastrukturen und imperialen Lebensweisen. Von einigen Menschen wird diese globale Ungleichheitsstruktur als normal wahrgenommen oder gar romantisiert, für andere Menschen wirkt sie erniedrigend. Die Auseinandersetzung mit Kolonialismus ist nicht auf ein Spurensuche vergangener Ereignisse beschränkt. Sie ermöglicht auch eine Sichtbarmachung rassistischer Normalisierungen der Ressourcenbeanspruchung und Arbeitsausbeutung in ehemals kolonisierten Ländern. „Kolonialität“ bezeichnet diese Form von Machtverhältnissen, die aus kolonialen Verhältnissen hervorgehen sind und diese überdauert haben. 

Ist das Erinnern an koloniale Ausbeutungsverhältnisse ein Beitrag zu reparativer Gerechtigkeit? In welcher Weise behindern postkoloniale Verhältnisse global solidarische Krisenbewältigungen? Wie können dekoloniale Gerechtigkeitsbewegungen gestärkt werden? In dem Vortrag werde ich verschiedene Praktiken des Erinnerns an Versklavungsökonomien und der Auseinandersetzung mit lokaler Verantwortung und kolonialer Amnesie durch postkoloniale Initiativen in deutschen Städten vorstellen und diese in Bezug setzen zu geographischen Perspektiven auf Kolonialität und koloniale Verflechtungen.

Vor diesem Hintergrund berichtet die Initiative zur Straßenumbenennung des Lüderitzwegs und des Woermannwegs, wie es konkret möglich ist mit kolonialen Spuren in Städten umzugehen und welche Hürden damit einhergehen.