Fortsetzung der Diskussion vom 13.11.2023.
Auch alle Interessierten, die an dem ursprünglichen Vortrag nicht teilnehmen konnten, sind herzlich eingeladen.
1993 wurde mit dem sogenannten „Asylkompromiss“ von SPD und CDU das Grundrecht auf Asyl nahezu abgeschafft. Neben der Änderung des Grundgesetzes wurde zudem das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) eingeführt. Mit seinem Inkrafttreten am 01.11.1993 wurde ein Sondersystem der Sozialhilfe für Asylsuchende und Migrant*innen geschaffen, die deutlich unter dem Niveau der Sozialhilfe lag und liegt. Durch niedrige Leistungen und Sachleistungen statt Bargeld sollten mit der massiven Entrechtung und Entmündigung Menschen zur Ausreise gedrängt werden.
Sabrina Janesch liest aus ihrem Roman Sibir. In der Aussiedler*innen-Geschichte erzählt sie von zwei Kindheiten im 20. Jahrhundert. Einmal zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Zentralasien. Und einmal fünfzig Jahre später in Norddeutschland. Furchterregend klingt das Wort, das der zehnjährige Josef Ambacher aufschnappt: Sibirien. Die Erwachsenen verwenden es für alles, was im fernen, fremden Osten liegt. Dorthin, nach Kasachstan, werden 1945 Hunderttausende deutscher Zivilisten von der Sowjetarmee verschleppt, unter ihnen auch Josef.
Ralph Tharayil liest aus Nimm die Alpen weg. Er erzählt von einer Kindheit in der Schweiz. Die Erzählung handelt von der Anstrengung, dazugehören zu wollen und die Herkunft nicht aufzugeben. Da ist das namenlose Geschwisterpaar, das im Chor spricht. Da ist ein Zuhause mit Ma und Pa, die mit ihren vier Armen wie eine Gottheit erscheinen. Da ist die Geschwindigkeit der Velos, mit denen die Kinder hinaus zu ihren Spielen fahren: zur Telefonzelle, zur Müllhalde, ins Schilf.
Rosa Luxemburg. 1871 geboren, 1919 ermordet. Aber was weiß man wirklich von ihr? Wir kennen nur Bruchstücke. Das Klischee der roten Revoluzzerin, im Sozialismus vereinnahmt. Luxemburg war mehr. Grandiose Rednerin, Humanistin und Pazifistin, Ruhestörerin, zierliche Person, Gefängnispoetin und Vogelfreundin. Klug, verletzbar, wütend, empathisch, politisch, lebensfroh, humorvoll, mutig, stark.
Palmöl begegnet uns in Schokoriegeln, Tütensuppen, Seifen, Hautcremes und vielen weiteren Konsumprodukten im Alltag. Genauso allgegenwärtig ist die Kritik am Palmöl wegen negativer sozialer und ökologischer Auswirkungen in der Herstellung. Zertifizierungen, z.B. vom Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO), versprechen Konsument*innen verbesserte Produktionsweisen. Doch die Frage bleibt: Kann es so etwas wie faires oder nachhaltiges Palmöl überhaupt geben?
Am 24. November widmet sich das Café Chaos in seiner Vortragsreihe im Jugendzentrum JuWeL der Verfolgung jüdischen Lebens in Werne zur Zeit des Nationalsozialismus'. Nach einer kurzen Einführung in die jüdische Geschichte vor 1933 liegt der Fokus der Veranstaltung auf dem Schicksal der acht Familien(verbände), die 1933 noch in Werne wohnhaft waren. Vor allem sollen dabei die Lebenslinien der Personen sichtbar gemacht werden, über die bisher wenig veröffentlicht wurde.
Vor einem jahr wurde der rechtsextremistische Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro, mit knapper Mehrheit abgewählt. Wir erinnern uns alle an seine rassistische, homophobe und radikal-kapitalistische Politik. Nur mit der Abwahl eines Präsidenten aber ändert sich noch nicht eine ganze Gesellschaft. Wie steht es heute mit seinen Anhängern in Politik und Verwaltung? Haben sie noch Macht und Einfluss? Wie hat sich die brasilianische Politik im Blick auf die indigenen Gebiete und den Amzonas verändert?
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